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Solarrechner-Test 2025: HTW kürt ehrlichste Online-Rechner für Photovoltaik

Ein aktueller Solarrechner-Test der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin bringt Licht ins Dunkel der Online-Tools zur Berechnung von Photovoltaikpotenzialen. Die Forscher:innen haben über ein Dutzend gängiger Solarstromrechner unter die Lupe genommen – mit teils gravierenden Unterschieden: Manche Rechner versprechen Autarkiegrade von bis zu 99 % – ein in der Praxis unrealistischer Wert, der Nutzer:innen in die Irre führen kann.



Die HTW Berlin hat verschiedene Online-Solarrechner hinsichtlich ihrer Prognosen zur Stromautarkie getestet. Die Grafik zeigt die berechneten Autarkiegrade für ein typisches Einfamilienhaus mit 10-kW-Solaranlage und Batteriespeicher im Vergleich zu realen Betriebsdaten.

Im Vertrieb von Photovoltaikanlagen und Batteriesystemen gewinnen Online-Tools zunehmend an Bedeutung. Denn die Ergebnisse von Solarstromrechnern beeinflussen die Kaufentscheidungsprozesse von Privatpersonen, die sich für eine Photovoltaikanlage und einen Batteriespeicher interessieren.

Wie die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) berichtet ist aber in den vergangenen Jahren die Anzahl der Online-Tools, die zweifelhafte Berechnungsergebnisse liefern, gestiegen.

Eine neue Analyse der HTW Berlin zeigt jetzt: Selbst unter identischen Rahmenbedingungen variieren die berechneten Autarkiegrade je nach Online-Tool um mehr als 20 Prozentpunkte. Eines der untersuchten Tools ermittelte einen Autarkiegrad von 99 Prozent für ein Einfamilienhaus mit einer 10-Kilowatt-Photovoltaikanlage und einem 9-Kilowattstunden-Stromspeicher.

Testsieger: Solarrechner müssen transparent und nachvollziehbar sein

Ziel der Untersuchung war es, Qualitätsstandards für Solarrechner zu definieren und verlässliche Tools aus der Masse herauszufiltern. Bewertet wurden unter anderem Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Realitätsnähe der Ergebnisse – zentrale Kriterien für Verbraucher:innen, die eine fundierte Entscheidung für eine Solaranlage treffen wollen.

Testsieger der Analyse wurden jene Rechner, die realistische Annahmen treffen und ihre Rechenwege offenlegen. Besonders nah am in der wirklichen Praxis zu erwartenden Autarkiegrad des Einfamilienhauses lagen folgende Anbieter:

Zu Etwas stärkere Abweichungen gab es bei den folgenden getesteten Online-Rechnern:

  • my-PV Power-Coach (-5%)
  • ThEGA Solarrechner Thüringen (-12%)
  • MVV Photovoltaik-Rechner (-22%)

Fazit des Tests: Viele Solarrechner haben Nachholbedarf, was Transparenz und Rechenlogik betrifft.

HTW Berlin formuliert Qualitätsstandards für Solarrechner

Um die Transparenz und Qualität der Solarstromrechner zu verbessern, hat die HTW Berlin daraufhin Mindestanforderungen für solche Online-Tools entwickelt. Das Ziel der Qualitätsstandards „vertrauenswürdige Solarstromrechner“ ist es, Privatpersonen den Zugang zu mehr Online-Rechnern zu ermöglichen, die valide und nachvollziehbare Berechnungsergebnisse liefern.

Hierzu gibt die Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin Tipps, worauf bei der Entwicklung von Solarstromrechnern zu achten ist. Die Qualitätsstandards „vertrauenswürdige Solarstromrechner“ richten sich vorrangig an Unternehmen in der Solar- und Energiebranche, die Online-Tools auf ihrer Website anbieten oder diese entwickeln.

Bei der Entwicklung hochwertiger Solarstromrechner sollten folgende Punkte im Vordergrund stehen, die nachfolgend ausführlich erläutert werden:

Belastbare Eingangsdaten

Die Berechnungsergebnisse eines Solarrechners sind nur so gut, wie die dem Rechner zugrunde liegenden Stromverbrauchs- und Solarerzeugungsprofile.

  • Zur Abbildung des zeitlichen Verlaufs des Stromverbrauchs eines einzelnen Haushalts sollten keine sogenannten Standardlastprofile (SLP) verwendet werden, da zum Beispiel bei deren Verwendung der Nutzen von Stromspeichersystemen unterschätzt wird.
  • Um kurzzeitige Verbrauchsspitzen und Schwankungen des Stromverbrauchs abzubilden, sind gemessene Lastprofile eines typischen Haushalts in möglichst hoher zeitlicher Auflösung erforderlich. Daher sollten im Viertelstundentakt – besser minütlich – aufgelöste Stromverbrauchsprofile verwendet werden.
  • Sowohl für die Stromverbrauchs- als auch für die Solarerzeugungsprofile gilt: Anstelle von synthetisch generierten Werten sollten möglichst Messwerte genutzt werden.

Realistische Annahmen

Zu optimistische Berechnungsannahmen können zu unrealistischen Ergebnissen der Solarrechner führen. Die Nutzer:innen von Solarrechnern sollten daher einfach nachvollziehen können, welche Annahmen den Berechnungen zugrunde liegen.

  • Die technischen Eingangsparameter, die einen großen Einfluss auf den berechneten Eigenverbrauchsanteil und Autarkiegrad haben, sollten transparent dokumentiert werden (z. B. nutzbare Speicherkapazität, Nennleistung der PV-Anlage).
  • Die nutzbare Speicherkapazität des Batteriespeichers sinkt während des Betriebszeitraums. Dieser Aspekt sollte durch einen Alterungs-korrekturfaktor berücksichtigt werden, wenn der Nutzen des Batteriespeichers während der gesamten Lebensdauer bewertet wird.
  • Bei Solarrechnern, die auch ökonomische Bewertungsergebnisse bereitstellen, sollten die wichtigsten ökonomischen Berechnungsparameter aufgeführt werden (z. B. Einspeisevergütung, mittlerer Strompreis während der Nutzungsdauer).
  • Die angenommene Strompreissteigerung pro Jahr hat einen großen Einfluss auf die mit einem PV-Batteriesystem erzielten Kosteneinsparungen. Es sollten daher keine sehr hohen Strompreissteigerungsraten von zum Beispiel 5 % pro Jahr angesetzt werden, da diese bereits nach 15 Jahren eine Verdopplung des Strompreises entsprechen würden.
  • Die Berechnungsannahmen sollten möglichst anhand von Quellenangaben und Literaturverweisen dokumentiert werden.

Plausible Ergebnisse

Die Ergebnisse von Solarstromrechnern beeinflussen häufig Kaufentscheidungsprozesse von Privatpersonen, die sich für eine PV-Anlage und einen Batteriespeicher interessieren. Daher liegt es in der Verantwortung der Entwickler:innen, plausible Berechnungsergebnisse nach bestem Wissen und Gewissen bereitzustellen.

  • Solarrechner sollten auf validierten Simulationsmodellen und Berechnungsansätzen, die dem Stand der Technik entsprechen, aufbauen.
  • Die aufgeführten Bewertungsgrößen, wie der Autarkiegrad, der Eigenverbrauchsanteil und die Amortisationszeit, sollten entsprechend der gängigen Normen und Fachliteratur berechnet werden.
  • Entwickler:innen von Solarstromrechnern sollten die Plausibilität der Berechnungsergebnisse durch den Vergleich mit anderen gängigen Online-Tools sowie wissenschaftlichen Ergebnissen prüfen und bewerten.
  • Da die Betriebsergebnisse von PV-Batteriesystemen in der Praxis von vielen Faktoren beeinflusst werden, sollte darauf hingewiesen werden, dass die individuellen Ergebnisse von den Prognosewerten der Solarrechner abweichen können.

Letzte Aktualisierung: 30.04.2025